Easy German audio files for student learners - with accompanying full texts

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Horrortag_Oskar.png

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Der Wecker klingelt nicht.

Ich wache trotzdem plötzlich auf, denn die Sonne scheint. Es ist schon halb neun. Oh nein! Der Schultag beginnt jetzt gleich und wir haben in der ersten Stunde eine Mathearbeit. Ich stehe auf und beginne, mich hastig anzuziehen.

Keine Zeit zum Frühstücken. Ich packe meine Schultasche und laufe zum Bahnhof. Auf dem Weg bemerke ich, dass ich zwei verschiedene Schuhe anhabe. Oh Gott. Es ist viel zu spät zurückzugehen.

In meinem Kopf sehe ich alles wie im Kino: Gerade sagt mein Mathelehrer zu meiner Klasse: «Ihr dürft den Test beginnen. Paul, hör auf zu reden. Anna, steck dein Handy in deine Tasche, sonst nehme ich es weg und verkaufe es heute Abend auf E-Bay. Weiß jemand, wo Oskar ist? Schon wieder zu spät. Das überrascht mich nicht. Dieser Junge ist ein hoffnungsloser Fall. »

Oskar - der bin ich. Ich bin groß und sportlich, aber auch vergesslich, immer zu spät und total unorganisiert. Die meisten meiner Lehrer hassen mich. Meine Eltern finden mich nervig. Sogar mein Hund ist nicht besonders begeistert von mir.

Ich verpasse den Zug. Natürlich. Im Fenster des Wartezimmers sehe ich mein Gesicht. Es gibt einen großen roten Pickel auf meiner Nase. Ich stöhne leise. Hoffentlich kommt kein anderer Zug.

Einer kommt - fast sofort.

Im Unterricht sagt mir Herr Scharfmacher: „Nett, dass du da bist, Oskar. Gut geschlafen?“ Ich werde genauso rot wie mein Pickel. Ich hasse sarkastische Lehrer.

Der Test hat viele knifflige Fragen. Obwohl ich ziemlich gut in Mathe bin, kann ich heute einfach nicht richtig denken. Der Grund ist, dass Lina neben mir sitzt. Ich kenne sie seit der Grundschule und mag sie sehr, aber sie findet mich doof. Woher weiß ich das? Weil sie jeden Tag die Augen verdreht, wenn ich in ihrer Nähe bin. Heute ist keine Ausnahme. Sie sieht meine Schuhe an und lacht. Sie lacht so laut, dass Herr Scharfmacher fragt, was los ist. Lina sagt nichts, aber trotzdem bemerkt auch er meine Schuhe.

Alles geht heute schief.

Nichts wird besser. In der Pause habe ich einen Bärenhunger, aber die Kantine ist wegen der Renovierung geschlossen. Kunst, mein Lieblingsfach, fällt aus, weil meine Lieblingslehrerin krank ist. In der Mittagspause kriege ich endlich was zu essen, aber nur, weil Lina Mitleid mit mir hat. Statt sie zu beeindrucken, erwecke ich nur ihr Mitleid. Das ist mir peinlich.

 Am Nachmittag sollen wir Fußball gegen eine Mannschaft von einer anderen Schule spielen. Ich freue mich darauf, denn ich spiele immer in unserer Mannschaft, aber ich habe weder meine Sportuniform noch meine Sportschuhe dabei. Die Sportlehrerin ist sauer: „Oskar!“ sagt sie. „Du machst mich wahnsinnig!“  Aus Rache wählt sie statt mir einen großen Kerl aus, einen neuen Schüler, der toll aussieht, sehr männlich, wahrscheinlich mit einem Waschbrettbauch. Er kickt fünf Tore. Lina und meine Klassenkameraden klatschen in die Hände und jubeln.

Nach der Schule möchte ich mit Lina nach Hause gehen, denn sie wohnt auf derselben Straße wie ich und begleitet mich manchmal. Aber sie und der Fußballheld verschwinden irgendwo und ich gehe alleine nach Hause.

An der Tür unseres Hauses finde ich einen Zettel von meiner Mutter. Sie hat geschrieben: „Ich fahre zum Supermarkt. Kannst du den Hundekot im Garten wegmachen?“

 Dieser Tag ist einfach nicht zu toppen. Ich denke traurig darüber nach. Das Mädchen, das ich mag, verbringt ihre Zeit mit einem blöden Muskelmann. Ich fühle mich einsam und deprimiert. Mein Pickel wird immer größer. Mein Mathelehrer findet mich dumm und unhöflich und ich werde bestenfalls eine Drei für den Test bekommen. Meine Sportlehrerin hat die Nase voll von mir, da ich so vergesslich bin. Und meine Mutter hat sich eine Aufgabe für mich ausgedacht, die irgendwie meinen ganzen Tag repräsentiert.

Morgen kann bestimmt nicht so schrecklich sein. Sicher nicht. Oder etwa doch?

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Ich sitze zwischen meinem Vater und meiner Mutter. Der Mathelehrer sitzt vor mir, hinter seinem Schreibtisch.

Elternsprechtage sind furchtbar.

Das Schlimmste ist, ich muss dabei sein. Ich weiß genau, was die Lehrer und Lehrerinnen sagen werden, aber ich muss alles hören. Das ist schrecklich. Grausam.

OK, ich gebe zu, vielleicht bin ich manchmal ein bisschen faul. Ich hasse Hausaufgaben. Sechs Stunden in der Schule jeden Tag – reicht das nicht? Ich bin eher der sportliche Typ! Ich spiele lieber Fußball, ich fahre oft mit dem Rad und ich gehe gern mit meinen Freunden in den Park. Auf jeden Fall brauche ich nach der Schule Ruhe und Zeit für mich selbst: Computerspiele, ein bisschen Chatten im Internet, einfach chillen.

Mein Mathelehrer heißt Herr Hoffmann. Er ist sehr streng und findet mich bestimmt nervig. Das ist mir egal, denn er nervt mich total. Im Moment, zum Beispiel, sieht er mich direkt an, aber er spricht über mich, als wäre ich einfach nicht da.

«Ben ist ein ziemlich intelligenter Junge», sagt er, «aber…».

ABER. Es gibt immer ein Aber, wenn meine Lehrer über mich sprechen. Ich kann schon erraten, was Herr Hoffmann als Nächstes sagen wird. Und ich habe recht.

«Ben ist ziemlich intelligent, aber er ist leider gar nicht fleißig», sagt er. «Dieses Semester gibt es acht Arbeitsblätter als Hausaufgaben, die die Schüler allein machen müssen. Sie bekommen auch Noten dafür. Leider hat Ben bisher nur zwei gemacht.»

Meine Eltern sind schockiert. Sie sehen mich an, als hätte ich den Hund für eine Woche nicht gefüttert oder meine kleine Schwester allein im Park gelassen.

Meine Mutter sieht traurig aus. «Oh Ben! Ich finde, du darfst keine Computerspiele mehr machen», sagt sie zu mir. «Es tut mir leid, aber Mathe ist sehr wichtig. Genauso wichtig wie Englisch.» 

Mein Vater sieht nicht traurig aus, sondern wütend. «Du bekommst Hausarrest», sagt er. «Ab sofort.»

Mein Vater hat eine sehr laute Stimme. Was noch schlimmer ist: Es gibt im Klassenzimmer eine lange Schlange von Leuten, die auf ihre Termine warten. Diese anderen Eltern und Schüler spitzen die Ohren. Schließlich ist diese Warterei für alle furchtbar langweilig. Mein Vater spricht wie ein Schauspieler in einem Theater. Sehr klar und deutlich. Furchtbar laut. Mein Termin ist wie ein Theaterstück! Ich stöhne leise. Die anderen Schüler starren mich schadenfroh an. Sie sind fasziniert.

Herr Hoffmann hat offensichtlich Mitleid mit mir. «Vielleicht können wir zu einem Kompromiss kommen», sagt er. «Wenn Ben zwei Arbeitsblätter pro Woche für drei Wochen macht, werde ich ganz zufrieden sein. So kann er das Computerverbot und den Hausarrest vermeiden.»

Der Mann ist eigentlich netter, als ich dachte. Trotzdem ist die Nervenprobe noch nicht vorbei. Mein Vater hält jetzt eine Rede und alle Leute im Klassenzimmer hören zu. Er sagt, ich muss härter arbeiten und darf nicht mehr faul sein. Er wird persönlich checken, dass ich nie wieder Spaß habe. Er dankt dem Lehrer für seine Hilfe, seinen Rat und seine Nachsicht. Endlich stehen wir auf.

Der Termin ist vorbei. Ich seufze, total erleichtert.

Meine Mutter liest ihre Liste. «Nur noch neun Lehrer.»

Kaum zu glauben. Das wird wirklich ein langer Tag sein.

 

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