Easy German audio files for student learners - with accompanying full texts

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Ich sitze zwischen meinem Vater und meiner Mutter. Der Mathelehrer sitzt vor mir, hinter seinem Schreibtisch.

Elternsprechtage sind furchtbar.

Das Schlimmste ist, ich muss dabei sein. Ich weiß genau, was die Lehrer und Lehrerinnen sagen werden, aber ich muss alles hören. Das ist schrecklich. Grausam.

OK, ich gebe zu, vielleicht bin ich manchmal ein bisschen faul. Ich hasse Hausaufgaben. Sechs Stunden in der Schule jeden Tag – reicht das nicht? Ich bin eher der sportliche Typ! Ich spiele lieber Fußball, ich fahre oft mit dem Rad und ich gehe gern mit meinen Freunden in den Park. Auf jeden Fall brauche ich nach der Schule Ruhe und Zeit für mich selbst: Computerspiele, ein bisschen Chatten im Internet, einfach chillen.

Mein Mathelehrer heißt Herr Hoffmann. Er ist sehr streng und findet mich bestimmt nervig. Das ist mir egal, denn er nervt mich total. Im Moment, zum Beispiel, sieht er mich direkt an, aber er spricht über mich, als wäre ich einfach nicht da.

«Ben ist ein ziemlich intelligenter Junge», sagt er, «aber…».

ABER. Es gibt immer ein Aber, wenn meine Lehrer über mich sprechen. Ich kann schon erraten, was Herr Hoffmann als Nächstes sagen wird. Und ich habe recht.

«Ben ist ziemlich intelligent, aber er ist leider gar nicht fleißig», sagt er. «Dieses Semester gibt es acht Arbeitsblätter als Hausaufgaben, die die Schüler allein machen müssen. Sie bekommen auch Noten dafür. Leider hat Ben bisher nur zwei gemacht.»

Meine Eltern sind schockiert. Sie sehen mich an, als hätte ich den Hund für eine Woche nicht gefüttert oder meine kleine Schwester allein im Park gelassen.

Meine Mutter sieht traurig aus. «Oh Ben! Ich finde, du darfst keine Computerspiele mehr machen», sagt sie zu mir. «Es tut mir leid, aber Mathe ist sehr wichtig. Genauso wichtig wie Englisch.» 

Mein Vater sieht nicht traurig aus, sondern wütend. «Du bekommst Hausarrest», sagt er. «Ab sofort.»

Mein Vater hat eine sehr laute Stimme. Was noch schlimmer ist: Es gibt im Klassenzimmer eine lange Schlange von Leuten, die auf ihre Termine warten. Diese anderen Eltern und Schüler spitzen die Ohren. Schließlich ist diese Warterei für alle furchtbar langweilig. Mein Vater spricht wie ein Schauspieler in einem Theater. Sehr klar und deutlich. Furchtbar laut. Mein Termin ist wie ein Theaterstück! Ich stöhne leise. Die anderen Schüler starren mich schadenfroh an. Sie sind fasziniert.

Herr Hoffmann hat offensichtlich Mitleid mit mir. «Vielleicht können wir zu einem Kompromiss kommen», sagt er. «Wenn Ben zwei Arbeitsblätter pro Woche für drei Wochen macht, werde ich ganz zufrieden sein. So kann er das Computerverbot und den Hausarrest vermeiden.»

Der Mann ist eigentlich netter, als ich dachte. Trotzdem ist die Nervenprobe noch nicht vorbei. Mein Vater hält jetzt eine Rede und alle Leute im Klassenzimmer hören zu. Er sagt, ich muss härter arbeiten und darf nicht mehr faul sein. Er wird persönlich checken, dass ich nie wieder Spaß habe. Er dankt dem Lehrer für seine Hilfe, seinen Rat und seine Nachsicht. Endlich stehen wir auf.

Der Termin ist vorbei. Ich seufze, total erleichtert.

Meine Mutter liest ihre Liste. «Nur noch neun Lehrer.»

Kaum zu glauben. Das wird wirklich ein langer Tag sein.

 

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START: Letzten Sonntagabend habe ich australischen Fußball durcheuropäische Augen gesehen.

Meine zwei jungen Freunde aus Bayern in Süddeutschland,Carolina und Simon, hatten noch nieein australisches Fußballspiel gesehen. Deshalb hat meine Freundin Linda sie zueinem Spiel eingeladen. «Das ist ganz wichtig», sagte sie. «Wichtiger alsKängurus.» Linda kommt eigentlich aus Neuseeland, aber sie lebt schon lange inAustralien und sie liebt australischen Fußball.

Linda ist ein echter Fan. Sie fährt zu jedem Spiel. Manchmalfliegt sie nach Adelaide oder Sydney, weil sie kein Spiel verpassen will. Ihre Mannschaftist die Geelong-Katzen. Wenn die Katzen verlieren,ist Linda total traurig. Manchmal weintsie ein bisschen. Manchmal weint sie für ein paar Tage. Kein Witz! Wenn ihre Mannschaft gewinnt, ist sie hingegenhocherfreut. In den letzten acht Jahren war sie oft sehr glücklich, dennGeelong ist eine sehr gute Mannschaft, die viele Grand Finals erreicht und drei gewonnen hat.

Linda war auch froh, dass Simon und Carolina mitgekommen sind. Vor allem wollte sie sich versichern, dass diese jungen Deutschen für immer Geelong-Fans sein würden. Deshalb hatte sie nicht nur Tickets gekauft, sondern auch ein paar Schals und Mützen für sie gefunden. Simon und Carolina haben sofort wie echte Geelong-Fans ausgesehen.

In der Woche vor demSpiel hatte Simon sich über die Regeln im Internet informiert. Er wusste zum Beispiel schon, dass ein Tor sechs “Behinds” gleichgesetzt wird. «Man kanngewinnen», sagte er zu mir, «selbst wenn man weniger Tore schießt, solange man viele Behinds geschossen hat.»

Ich war beeindruckt. «Du hast schon viel gelernt», sagteich.

«Weißt du», antwortete er, «ich liebe Fußball. Ich bin genauwie Linda. Linda ist echt cool.»

«Weinst du denn, wenn deine Mannschaft verliert?»

«Normalerweise weine ich nicht», sagte er, «aber wenn meineMannschaft ein so wichtiges Spiel wie das Endspiel der Champions-Leagueverliert, dann weine ich auch, denn das ist genau wie das Grand Final beieuch.»

Wir sind mit dem Zug zum Ethiad-Stadium gefahren. Sogar dashat Spaß gemacht. Die Atmosphäre im Stadium war elektrisierend und die Spielerhaben unglaublich fit und sportlich ausgesehen. Natürlich. Simon hat bemerkt,dass die australischen Spieler nicht nur fit, sondern auch sehr gut trainierteOberkörper haben müssen. Ihre Oberkörper sind stärker trainiert als die derFußballspieler in Europa, weil sie den Gegenspieler mit dem Ball angreifen undstoppen müssen.

Die Spieler in der Geelong-Mannschaft haben gestreiftedunkelblau-weiße Trikots und dunkelblaue Shorts getragen. «Sehen sie nicht tollaus?», sagte Linda.

Linda und Carolina haben sich vor dem Spiel schminkenlassen. Als sie vom Schminken zurückkamen, sahen die beiden ein bisschen wieKatzen aus.

Zum Glück hat ein Freund von mir, Barry, neben Carolina gesessen und konnte ihr so alles erklären. Als ein Spieler vor dem Tor stand und seine Socken hochzog, erklärte Barry: «Sie schießen viel besser, wenn sie die Socken hochziehen. Das ist wissenschaftlich bewiesen.» Und so war es dann auch, aber natürlich war das nicht sein Ernst. Barry ist ein witziger Mann mit viel Humor. 

Barry hat es lustig gefunden, als Carolina bemerkte: «DieForm des Balles ist  für das Spiel nichtsehr nützlich.» Sie meinte damit, dass die ovale Form es schwierig macht, wennman zum Beispiel läuft und gleichzeitig den Ball prellen muss. Da hat sie dieSchwierigkeiten und die Einmaligkeit von unserem Spiel in einem einzigen Satzzusammengefasst.

Simon und Carolina waren sehr begeisterte Fans. Sie sindjedes Mal aufgestanden, wenn die Katzen ein Tor geschossen haben. Linda hatteein bisschen Angst, denn im dritten Viertel waren die Katzen nicht sokonzentriert. Zum Glück waren sie im letzten Viertel viel besser. Insgesamthaben sie aber ziemlich gut gespielt und dann auch das Spiel gewonnen.

Mir hat es besonders gefallen, die Reaktionen der zweijungen Deutschen zu beobachten. Sie waren sehr süß und haben sich für allesinteressiert. Simon hat sogar eine neue Definition von «Schadenfreude»erfunden. Dieses Wort ist ein sehr gängiges deutsches Wort. Es bedeutet, man istglücklich oder erfreut, wenn einer anderen Person etwas Unangenehmes passiert.Zum Beispiel, der Klassenbeste bekommt eine schlechte Note und du bisteigentlich ziemlich froh darüber! Du bist glücklich, dass dein Mitschüler etwasSchlechtes erlebt. Das ist nicht so nett, oder? Aber sehr menschlich.

Man sagt auch: «Schadenfreude ist die schönste Freude.»

Am Fußballspiel hat Simon diesen Begriffweiterentwickelt: «Schadenfreude ist das Gefühl, das man hat, wenn einSpieler von der gegnerischen Mannschaft den Fußball kickt und den Pfostentrifft, statt ein Tor zu schießen.» Während des Spiels ist dies oft passiert.

Der Fußball. Die Philosophie. Das Leben. Mit diesemdeutschen Wort «Schadenfreude» kann man so viel beschreiben und so vielerklären. Sogar australischen Fußball.

Auf dem Weg nach Hause im Zug waren wir alle glücklich.Simon und Carolina hatten endlich ein australisches Fußballspiel gesehen. Aberdie glücklichste Person war Linda, denn die Katzen hatten das Spiel gewonnenund sie hatte zwei neue Fans für den australischen Fußball und ihre Mannschaftgefunden.

Carolina und Simon werden leider bald nach Deutschlandzurückkehren. Aber sie werden für immer Katzen-Fans bleiben.

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START: Paul und ich sitzen immer noch im Flieger.

Das Essen war lecker und wir haben danach ein bisschen gedöst. Als ich aufwache, frage ich mich, ob Paul auf Deutsch träumt. Das wäre für mich ein Albtraum! Aber zumindest würde das zeigen, dass ich anfange, auf Deutsch zu denken.

Ich klopfe Paul leicht auf die Schulter. «Bist du wach?»

«Nein», sagt er.

«Bitte, Paul. Du kannst später schlafen. Ich will, dass du mir das Duzen und das Siezen erklärst. In den ersten drei Jahren haben wir  in der Schule immer nur das Du benutzt. Ich hatte damals keine Ahnung, dass das Sie überhaupt existiert.»

Paul nickt. «Weißt du, Sarah, ich bin auch kein Experte. Für mich war es ein bisschen seltsam, als ich zum ersten Mal nach Deutschland kam, denn ich hatte vorher auch nur das Du benutzt. Meine Mutter musste mir das Siezen beibringen.»

«Wirklich?»

Ich habe diese Anrede, das Sie, erst in der zehnten Klasse gelernt. Drei Wörter für you! Nicht nur du und ihr, sondern auch Sie!

Ich sage zu Paul: «Ich finde das verwirrend für uns Australier. Wir sind und sprechen nicht so formal. Wir tragen Flip-Flops und benutzen dumme Kosenamen. Die einzigen Leute, die ich mit “Mr” und “Mrs” anspreche, sind meine Lehrer und Lehrerinnen.»

«Die Deutschen sind nicht so anders», sagt Paul. «Vielleicht ein bisschen reservierter. Aber keine Sorge, du kannst alle Kinder und alle deine Mitschüler duzen. Kein Problem. Du musst nur alle Lehrer und ältere Leute siezen, zum Beispiel die Verkäufer und Verkäuferinnen im Laden. Und die Polizei.» Er grinst. «Das zeigt Respekt. Jemand, der einen Polizisten duzt, bekommt Ärger. Vielleicht sogar eine Geldstrafe.»

“Wie bitte? Das darf nicht wahr sein!”

Paul lächelt mich an. “Doch. Es gibt solche Fälle. Aber das würde dir nie passieren. Der Polizist würde verstehen, dass du Ausländer bist. Die Geldstrafen sind nur für Leute, die wirklich respektlos sind. Und zwar mit Absicht.”

Ich bin erleichtert. «Und soll ich meine Gasteltern siezen?»

«Sie werden dir sagen, ob du sie siezen oder duzen sollst. Am besten siezt du sie am Anfang, aber wahrscheinlich werden sie sagen: Das ist schon okay, du kannst uns duzen. Viele freundliche Erwachsene sagen so etwas.»

Siezen und duzen. Im Deutschen gibt es sogar Verben dafür.

Am Anfang fand ich Deutsch gar nicht so schwierig. Haus, Mann, Bruder und Mutter! Das ist doch einfach, oder? Leider erscheint mir die Sprache mit der Zeit immer komplizierter.

Ich lehne mich zurück. Langsam werde ich schläfrig. Vielleicht bin ich gerade dabei, meinen ersten Traum auf Deutsch zu haben.

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START: Ich sitze im Flugzeug. Endlich bin ich auf dem Weg nach Deutschland.

Eigentlich habe ich gemischte Gefühle. Ich freue mich wirklich auf die Reise, aber ich habe auch ein bisschen Angst. Wie wird meine Gastfamilie sein? Was, wenn ich etwas total Doofes sage? Werden sie mich trotzdem verstehen? Ich habe viel gelernt und wiederholt, aber wird das genug sein?

Obwohl wir nur eine Stunde weg von Melbourne sind, bin ich schon richtig nervös. Ich versuche mich an alle Regeln zu erinnern. Ich darf zum Beispiel nicht vergessen, dass ich Erwachsene siezen muss! Außer wenn sie sagen, ich darf sie duzen. Das ist viel komplizierter als im Englischen. Aber meine Lehrerin sagt, die meisten Leute werden sehr nett sein, selbst wenn ich solche Fehler mache. Ich hoffe, das stimmt.

Mein Freund Paul sitzt neben mir. Er macht sich keine Sorgen. Er schaut sich bereits einen Film auf dem kleinen Bildschirm vor sich an. Dieser Austausch ist gar nicht schwierig für ihn, denn seine Mutter ist Deutsche und er spricht zu Hause viel Deutsch. Außerdem war er schon viele Male in Deutschland, denn die Familie seiner Mutter lebt immer noch dort. Ich schaue auf seinen Bildschirm. Das Wort «Tatort» ist darauf zu sehen. Ich habe schon von dieser Fernsehsendung gehört. Sie ist in Deutschland sehr beliebt, denn die Deutschen lieben Krimis und Krimiserien.

Ich stoße Paul an. «Ich brauche dich!», sage ich. Zumindest kann ich das sagen.

«Was ist?», sagt er. Er nimmt die Kopfhörer ab und sieht mich an.

«Tut mir leid», sage ich. «Ich will eine Liste von hilfreichen Sätzen auf Deutsch machen. Du bist der Experte hier.»

Paul stöhnt. «Schon gut», sagt er. «Ich mag Tatort sowieso nicht so gern.»

Er ist ein netter Kerl, Paul. Geduldig. Besonders mit nervösen Mädchen.

Ich sammle meine Gedanken. «Wenn ich meine Gastfamilie am Flughafen sehe, was sollte ich sagen?» Ich versuche, die Wörter sehr klar auszusprechen, als wäre ich schon in Deutschland, am Flughafen, mit meinen Gasteltern.

Paul denkt darüber nach.

«Sag zu den Eltern: Guten Tag. Schön, Sie kennenzulernen», antwortet er. «Aber mit den Kindern und der Familie, musst du nicht so formal sein. Du kannst einfach sagen: Hallo, ich heiße Sarah. Es freut mich. Oder: Es freut mich dich kennenzulernen.»

Ich schreibe alles auf. Nicht «Ich heiße Sarah», denn selbst für mich ist das einfach. Ich habe ein kleines Notizbuch für die anderen nützlichen Sätze mitgebracht. Paul ist offensichtlich amüsiert, dass ich so nerdig bin! Er liest über meine Schulter.

Ich habe noch eine Frage. «Und wenn sie mir mein Zimmer zeigen? Könnte ich sagen: Vielen Dank, das ist ein schönes Zimmer. Oder klingt das doof?»

Paul ist sehr ermutigend. Er sagt: «Nein, das klingt perfekt. Oder du könntest auch sagen: Danke, das Zimmer gefällt mir sehr gut. Oder, Danke, das ist schön. Ich mag dieses Zimmer. Oder, Was für ein schönes Zimmer! Das ist sehr nett von Ihnen, dass ich hier schlafen darf!»

Okay, das ist vielleicht genug für jetzt. Ich kann ein bisschen mehr in meinem Wörterbuch nachschlagen. Aber vorher habe ich noch eine sehr wichtige Frage: 

«Dieses Du- und Sie-Ding», sage ich. «Das ist so verwirrend. Wie funktioniert das eigentlich?» 

«Das erkläre ich dir später», sagt Paul. «Guck mal, wir bekommen unser erstes Essen. Keine Sorge, der Flug dauert vierundzwanzig Stunden!»

Paul hat recht. Ich lächele ihn an. «Du bist der Beste», sage ich.

Er versucht bescheiden auszusehen. Er scheitert. «Danke, das weiß ich schon», antwortet er.

Nächste Folge: Über Siezen und Duzen

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Meine Mutter ruft mich. «Schätzchen! Abendessen!»

Das ist mein erstes Problem: Meine Mutter behandelt mich wie ein Kind. Zu Hause ist mir das egal, aber gestern hat sie «Schätzchen!» gerufen, als sie mich von der Schule abholte. Stell dir vor, was die anderen Jungs sich wohl dabei gedacht haben. Ich wurde ganz rot.

Problem Nummer zwei: Ich bekomme Ärger in der Schule, denn ich mache nicht immer meine Hausaufgaben und meine Noten sind ziemlich schlecht. Gestern Abend hat der Klassenlehrer meine Mutter angerufen. Ich war auch im Zimmer und habe alles gehört.

«Sie meinen, Luka ist in drei Fächern hinterher?»

«Ja, ich weiß schon, er ist ein wirklich intelligenter Junge. Aber Intelligenz ist nicht alles.»

«Danke, ich bin Ihnen sehr dankbar für das Feedback...».

Oh nein. Ich war gar nicht dankbar für das Feedback. Nach diesem Anruf hatten mein Vater und ich ein Gespräch. Es war ziemlich typisch für uns:

Mein Vater fragte: «Warum bist du eigentlich so faul?»

Ich antwortete: «Ich bin nicht faul. Es ist nur, ich will nicht meine ganze Zeit mit Hausaufgaben verschwenden.»

Mein Vater sagte: «Deine ganze Zeit! Eine halbe Stunde am Tag, nicht mehr!»

Ich meinte: «Papa, weißt du, ich habe einfach andere Hobbys.»

Mein Vater schrie: «Das ist kein Hobby, stundenlang vor dem Computer zu hocken! Das ist eine Computersucht!»

Ich versuchte, ruhig zu bleiben: «Doch. Ich skype mit meinen Freunden, wir  spielen zusammen, das macht mir richtig Spaß. Das ist keine Sucht.»

Dann wurde mein Vater wirklich gemein. Er wollte mir kein Taschengeld mehr geben. Er wollte mir Hausarrest geben. Ohne meinen Laptop. Kaum zu glauben.

Mein Vater ist ein großes Problem für mich. Er ist mein Problem Nummer drei! Wir verstehen uns nicht sehr gut, weil er so furchtbar streng ist. Er kritisiert mich sehr oft und findet mich laut, faul und frech. Ich finde ihn oft arrogant, ungeduldig und nicht sehr tolerant.

Meine Mutter ist viel netter als mein Vater. Sie schreit nicht, sie schimpft nie,  aber unser Gespräch war auch ziemlich schwierig:

Meine Mutter sagte: «Schätzchen!»

Ich antwortete: «Ich bin zu alt für dieses Wort, Mama.»

Sie ignorierte mich und sagte: «Schätzchen. Ich weiß, dass du sehr intelligent bist.»

Ich sagte: «Ich bin eher ganz normal. Oft sogar ziemlich dumm.»

Sie sagte: «Bist du nicht! Aber ich mache mir wirklich Sorgen um dich.»

Meine Mutter ist auch ein Problem für mich. Nicht, weil sie gemein ist. Nicht,  weil sie mich «Schätzchen» nennt, obwohl das wirklich peinlich ist. Das Problem ist: Dadurch, dass sie so süß ist, bekomme ich immer ein schlechtes Gewissen. Ich verstehe mich sehr gut mit ihr. Wenn sie traurig und enttäuscht ist, fühle ich mich wirklich schlecht.

Mein schlechtes Gewissen ist mein Problem Nummer vier.

Meine Persönlichkeit ist mein fünftes Problem. Ja, okay, ich habe gute Eigenschaften, schon, aber ich bin ziemlich schüchtern. Wenn ich jemanden in der Schule nicht kenne, dann bin ich zurückhaltend oder ich sage etwas Doofes. Oder noch schlimmer: Ich sage nichts. Vielleicht ist das ein Grund, warum ich so gern am Computer spiele.

So viele Probleme! Manchmal ist mein Leben ziemlich kompliziert...

Zum Glück hat Mama zu Papa gesagt, ich darf meinen Laptop behalten, solange ich eine halbe Stunde Hausaufgaben am Tag mache. Nicht schlecht, oder? Siehst du, meine Mutter ist meistens sehr lieb.

Wenn sie nur dieses Wort «Schätzchen» nicht mehr auf dem Schulhof rufen würde...

Podcast - Beschreibung

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START: Dieser Podcast ist für Schüler wie dich, die Selbstlerner sind. 

Du kannst die Folgen beim Spazierengehen oder im Zug hören. Irgendwo und einfach überall!

Mit diesem Podcast kannst du Texte hören und sie gleichzeitig lesen. So wirst du langsam bemerken, dass die Wörter in deinem Gedächtnis hängen bleiben. Nach einer Weile wirst du die Texte nicht mehr lesen müssen.



Das Lesen wird dir am Anfang helfen, die neuen Wörter zu lernen und die Hörtexte einfacher zu verstehen.



Beim Hören wirst du dir die Wörter, die Bedeutungen und die Aussprache einprägen.

 Da die Folgen dieses Podcasts oft kurze Geschichten sind, lernst du die Wörter im Kontext. Das ist sehr wichtig, denn das menschliche Langzeitgedächtnis basiert auf „Bedeutung“. Deshalb lernt man Wörter am besten in Sätzen und in unterschiedlichen Kontexten. Als Kind hast du deine Muttersprache von deiner Mutter und deinem Vater genau so gelernt.

 

Am besten ist es, wenn du versuchst, jede Folge viele Male zu hören, bis dein Hörverstehen völlig automatisch wird.

 Weißt du, es ist irgendwie schön, wenn du zum ersten Mal vergisst, dass du einer fremden Sprache zuhörst. In diesem Moment trittst du dann in ein Paralleluniversum ein. Das ist eine ganz neue Erfahrung in deinem Leben, ein neuer Weg!



Als du klein warst, hast du deine Muttersprache hauptsächlich durch das Hören gelernt. Du hast sie Tag und Nacht gehört, mit vielen Wiederholungen, in vielen verschiedenen Kontexten, bis sie nach und nach wie die Luft wurde, die du atmest.

 Genau so kannst du auch eine Fremdsprache lernen.